Umwelt und Ernährung bei AD(H)S – Einflussfaktoren und Möglichkeiten zum Gegensteuern
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (AD(H)S) ist längst nicht mehr nur eine „Kinderkrankheit“. Immer mehr Erwachsene berichten von Konzentrationsproblemen, innerer Unruhe und impulsivem Verhalten. Während die Ursachen komplex sind, zeigen zahlreiche Studien, dass Umweltbedingungen und Ernährung entscheidend auf das Erscheinungsbild von AD(H)S einwirken können. Wichtig: Auch ohne offizielle Diagnose, allein aufgrund von Symptomen, können diese Einflüsse bedeutsam sein.
Zucker – ein Brennstoff mit Tücken
Zucker wirkt stark auf unseren Blutzuckerspiegel. Rasche Anstiege und Abfälle belasten nicht nur den Stoffwechsel, sondern beeinflussen direkt die Neurotransmitter-Aktivität. Zudem gilt: Zucker kann als Mikronährstoffräuber, unter anderem B‑Vitamine, entziehen, was die Energie- und Nervenzellfunktion beeinträchtigt. Studien zeigen, dass Kinder mit einem hohen Konsum von zuckerhaltigen Getränken oder Süßigkeiten häufiger AD(H)S-Symptome aufweisen [1]. Ergänzend weist James Greenblatt in Finally Focused darauf hin, dass Blutzuckerschwankungen besonders bei hyperaktiven Kindern die Reizbarkeit verstärken können. Auch andere Untersuchungen belegen, dass eine stark zuckerhaltige Ernährung das Risiko für Aufmerksamkeitsdefizite deutlich erhöhen kann [7].
Pestizide und Toxine – unsichtbare Belastung
Ein wachsender Forschungszweig untersucht die Rolle von Umweltgiften bei AD(H)S. Pestizide, Lösungsmittel und Schwermetalle können das Nervensystem beeinträchtigen. Insbesondere Organophosphat-Pestizide stehen im Verdacht, neurologische Entwicklungsstörungen zu verstärken [2]. Laut Prof. Karl J. Abrams (ADHD – Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität bei Kindern und Erwachsenen) zeigen sich bei AD(H)S-Betroffenen häufig erhöhte Belastungen durch Toxine, die eine zusätzliche Regulationstörung im Gehirn hervorrufen.
Zusatzstoffe – Farb- und Konservierungsstoffe im Fokus
Bereits in den 1970er Jahren wurde vermutet, dass künstliche Farb- und Konservierungsstoffe kindliches Verhalten beeinflussen können. Neuere Metaanalysen bestätigen, dass bestimmte Lebensmittelzusatzstoffe bei empfindlichen Individuen Hyperaktivität und Konzentrationsprobleme verstärken können [3]. Besonders relevant sind hier synthetische Farbstoffe (z. B. Tartrazin) und das Konservierungsmittel Natriumbenzoat.
Weißmehle und Auszugsmehle – leerer Energielieferant
Nahrungsmittel aus Auszugsmehlen (z. B. Weißbrot, Pasta aus Weißmehl) liefern zwar schnelle Energie, enthalten jedoch kaum Mineralstoffe oder Ballaststoffe. Zudem gilt: Weißmehle können – ebenso wie Zucker – Mikronährstoffräuber sein, unter anderem B‑Vitamine, was besonders für das Nervensystem problematisch ist. Diese kurzfristig wirksame Ernährung begünstigt ähnliche Blutzuckerschwankungen wie Zucker und kann zu Stimmungslabilität und Konzentrationsproblemen beitragen [4]. Eine prospektive Studie zeigte zudem, dass ein hoher Konsum raffinierter Kohlenhydrate mit einem erhöhten Risiko für Symptome wie Unruhe und Konzentrationsstörungen bei Kindern korreliert [8]. Vollkornprodukte mit Mineralstoffen und Spurenelementen wirken stabilisierender.
Elektrosmog – unterschätzter Stressor?
Die Forschung zu elektronischen Strahlungsfeldern (z. B. WLAN, Mobiltelefone) steckt noch in den Anfängen. Hinweise deuten darauf hin, dass hochfrequente elektromagnetische Felder den Schlafrhythmus und die Melatoninproduktion stören können [5]. Eine aktuelle Übersichtsstudie bestätigt Zusammenhänge zwischen EMF-Exposition und erhöhter Stressbelastung auf das Nervensystem [9], was Symptome zusätzlich verstärken könnte.
Digitale Medien – Dopaminfalle im Alltag
Der übermäßige Konsum digitaler Medien – einschließlich Fernsehen – verändert unsere Dopamin-Balance. Da das dopaminerge System ohnehin eine zentrale Rolle spielt, kann langes Gaming, Fernsehen oder Social Media die Konzentrationsfähigkeit zusätzlich reduzieren und die Impulsivität verstärken [6]. Experten empfehlen daher, Medienkonsum bewusst und in Maßen einzusetzen.
Fazit
AD(H)S ist kein Resultat einer einzigen Ursache, sondern entsteht im Zusammenspiel von Umwelt und Ernährung. Entscheidend: Auch ohne formale Diagnose können Symptome durch diese Faktoren verstärkt oder abgeschwächt werden. Ein bewusster Umgang mit Zucker und Weißmehlen (als Mikronährstoffräuber), Zusatzstoffen, digitalen Medien sowie die Reduktion von Umweltgiften und Elektrosmog können Betroffene wirkungsvoll entlasten. Hierbei geht es nicht um Verbote, sondern um das Wissen um Zusammenhänge und die Chance, durch kleine Veränderungen große Wirkungen zu erzielen.
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Quellenverzeichnis
[1] Johnson RJ, et al. “Sugar, Uric Acid, and the Etiology of Diabetes and Obesity.” Diabetes. 2013.[2] Bouchard MF, et al. “Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder and Urinary Metabolites of Organophosphate Pesticides.” Pediatrics. 2010.
[3] Nigg JT, et al. “Meta-Analysis of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder or Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder Symptoms, Restriction Diet, and Synthetic Food Color Additives.” Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry. 2012.
[4] Abrams, Karl J. ADHD – Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität bei Kindern und Erwachsenen. (Buchquelle)
[5] Pall ML. “Microwave frequency electromagnetic fields (EMFs) produce widespread neuropsychiatric effects including depression.” Journal of Chemical Neuroanatomy. 2016.
[6] James Greenblatt. Finally Focused: The Breakthrough Natural Treatment Plan for ADHD.
[7] Howard AL, et al. “Sugar consumption and attention in children: An epidemiological study.” Appetite. 2011.
[8] Azad M, et al. “Dietary patterns in relation to ADHD symptoms among children.” Public Health Nutrition. 2014.
[9] Sage C, Burgio E. “Electromagnetic fields, oxidative stress, and neurodevelopment.” International Journal of Environmental Research and Public Health. 2018.

